Rassismus : Schüsse in Paris
Tödliche Schüsse aus Angst vor rechtem Lynchmob
"Das ist ein Bulle!", "Dreckiger Neger!": Rechtsradikale Fußballfans haben in Paris einen farbigen Polizisten attackiert, weil der einen Anhänger von Hapoel Tel Aviv schützen wollte. Zwei Schüsse fielen - ein Fan starb.
Paris - Ein Augenzeuge schilderte den Vorgang in allen Details. Es seien "Minuten extremer Gewalt" gewesen, sagte der Journalist Philippe Broussard vom Magazin "L' Express". "Das ist ein Bulle!" und "Dreckiger Neger!", hätten die Angreifer geschrien. "Dutzende von Personen stürmten auf den Polizisten zu und wollten ihn wegen seiner Hautfarbe angreifen", erklärte Broussard zu der Frage, ob es Notwehr gewesen sei.
Schießerei in Paris: In diesen Schnellimbiss flüchtete der Polizist Der Beamte in Zivil hat gestern Abend einen Fußballfan des französischen Erstligisten Paris St. Germain (PSG) bei Auseinandersetzungen nach dem Uefa-Pokalspiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) erschossen und einen zweiten Anhänger schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei wollte der Beamte einem französischen Fan von Tel Aviv zu Hilfe kommen, der von gewaltbereiten PSG-Anhängern bedroht wurde. Als der Polizist daraufhin von etwa 150 Fans angegriffen und laut Polizei "in eine Ecke gedrängt wurde", habe er zunächst Tränengas versprüht und danach zwei Schüsse abgegeben. Einer davon traf den etwa 20 Jahre alten PSG-Fan tödlich. Die Polizeigewerkschaft "Alliance" sprach heute von "legitimer Selbstverteidigung".
"Das war ein Schuss aus Verzweiflung", teilte die Gewerkschaft mit. "Er ist von 150 aufgeheizten Typen angegangen worden, und wenn er nicht geschossen hätte, wäre er dabei draufgegangen." Der Gewerkschaftschef Frédéric Lagache sagte, dass der Zivilbeamte "Angst um sein Leben" hatte.
Der Todesschütze ist in Polizeigewahrsam. Die Polizei hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Auch von acht Pariser Hooligans, die am Abend festgenommen worden waren, hielt die Polizei am Freitag noch fünf wegen "rassistischer und antisemitischer Beleidigungen" fest, teilte die Pariser Polizeipräfektur mit. Die Polizei hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Die Anhänger des Pariser Clubs sind als gewalttätig bekannt. Es kommt rund um das Prinzenpark-Stadion im Pariser Westen immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen unter Fans.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll es sich bei den PSG-Fans überwiegend um Rechtsextremisten gehandelt haben, die Sprechchöre wie "Frankreich den Franzosen" skandierten. Der Polizist musste nach den Schüssen vor den aufgebrachten Fans in einen Schnellimbiss flüchten.
all/reuters/dpa/ap
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Pressemitteilung 26. November 2006 Nr. 38
Zu den Schüssen nach dem Fußballspiel Paris St. Germain gegen Hapoel Tel Aviv :
Schüsse waren Notwehr gegen einen antisemitischen Lynchmob
Auch in Deutschland wird zu wenig gegen Antisemitismus in Fußballstadien unternommen
„Für mich sind die zwei Schüsse des schwarzen Polizisten nach dem UEFA Pokal Spiel zwischen Paris St. Germain und Hapoel Tel Aviv auf einen antisemitischen Lynchmob von 100-150 Personen Notwehr. Damit hat er sich und einem jüdischen Fan von Hapoel Tel Aviv das Leben gerettet.“ So kommentiert Christoph Goergen von der Fußball AG der „Aktion 3.Welt Saar“ die aktuellen Vorkommnisse in Paris. Die Angreifer bedrohten den Polizisten und den jüdischen Fan mit Sprüchen wie „dreckiger Jude“ und „dreckiger Neger, dich bringen wir um“ und zeigten den Hitler-Gruß.
Der eigentliche Skandal liegt vielmehr darin, dass in Frankreich wie in Deutschland gleichermaßen von Vereinsseite fast nichts gegen den alltäglichen Antisemitismus in Fußballstadien unternommen wird. Es ist heute üblich, dass in vielen deutschen Fußballstadien der 1., 2., 3. und 4. Liga antisemitische Sprüche zu hören sind und das so genannte Auschwitz Lied gegrölt wird: „Wir bauen eine U-Bahn von xyz nach Auschwitz.“
„Wenn die Ignoranz gegenüber Antisemitismus in deutschen Fußballstadien seitens der Vereine und des DFB weiter anhält, halte ich solche Ereignisse wie in Paris auch in Deutschland für möglich“, so Christoph Goergen. Sinnvoll wären beispielsweise klare Anweisungen an die Ordner, antisemitische Transparente nicht zuzulassen und beim Zeigen solcher Transparente oder beim Singen des Auschwitzliedes sofort einzuschreiten. Auch ein Aufdruck auf der Eintrittskarte, dass antisemitische Sprüche sofort zum Ausschluss führen, sollte nicht zu viel verlangt sein.
Dabei dürfen Fußballfans nicht pauschal als antisemitisch hingestellt werden. „Meiner Erfahrung nach als aktiver Fußballfan gibt es in den Stadien nicht mehr Antisemitismus wie in der restlichen Gesellschaft auch“, so Goergen. Weitere Informationen: „Aktion 3.Welt Saar“, Telefon 06872/9930-56, www.a3wsaar.de, E-Mail: a3wsaar@t-online.de
Die Fußball AG der „Aktion 3.Welt Saar“ besteht aus aktiven Fußballfans verschiedener Vereine und setzt sich für eine demokratische Fankultur ein. Sie arbeitet mit bei B.A.F.F., dem Bündnis aktiver Fußballfans. Mehr dazu unter http://www.a3wsaar.de/fileadmin/A3WSaar/sonstiges/Fu_ball-AG-Manifest.pdf
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